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Erdgeschichte

Artikel #6366, »Erdgeschichte«, geschrieben von: Josef Kandl(Red.) (99 %) et al.

Erdgeschichte, beschreibt die Entwicklung der Erde seit ihrer Entstehung vor ca. 4–4,5 Milliarden Jahren bis heute. Die Darstellung der Erdgeschichte erfolgt mittels einer erdgeschichtlichen Tabelle (Stratigraphie) in welcher dieser lange Entwicklungszeitraum unseres Planeten in einzelne »Erdzeitalter« unterteilt und diese wiederum in Schichten, in die sog. »Systeme« (früher Formationen), aufgeschlüsselt wird. Für jedes dieser Systeme ist dessen Dauer bestimmt (z. B. dauerte das Perm 35 Millionen Jahre — von 285–250 Millionen Jahre vor unserer Zeit. Parallel zu dieser geologischen Schichtengraphik wird von der paläobotanischen und paläontologischen Forschung die Entwicklung des Lebens, der Tier- und Pflanzenwelt, die in den jeweiligen Perioden gelebt/existiert hat, diesem Profil zugeordnet dargestellt. Darüber hinaus sind zum vertikalen Schichten- bzw. Systemprofil der stratigraphischen Tabelle die Lebenszeiten der sog. Leitfossilien aufgetragen.

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Die erdgeschichtliche Entwicklung ist nicht immer gleichmäßig und ungestört erfolgt und es haben nicht zu allen Zeiten die gleichen Kräfte in gleicher Weise auf die Erde eingewirkt wie heute. In riesigen Kreisläufen wurden im Laufe der Zeiten Gebirge aufgefaltet und wieder abgetragen und eingeebnet. Sand und Schlamm wanderten ins Meer, wurden wieder zu Gesteinen, in die Tiefen abgesenkt, umgeschmolzen und wurden als neue Gebirge wieder herausgehoben. Das Tempo der Entwicklung des Lebens hat sich mehr und mehr beschleunigt. Bis zur Entwicklung von Meeresorganismen mit Hartteilen dauerte es drei Milliarden Jahre. Nach einer weiteren halben Milliarde Jahren, vor 65 Millionen Jahren, begann der Siegeszug der Säugetiere und erst vor zehn Millionen Jahren erschien der Mensch, der heute die Welt beherrscht und Verantwortung für sie trägt. Weltweite Katastrophen apokalyptischen Ausmaßes haben den ruhigen Gang der Dinge gelegentlich erschüttert. Beobachtungen und Forschungen von Geologen und Paläontologen haben im Laufe der letzten zwei Jh. zu Theorien geführt, die die Entwicklung der Erde und des Lebens (Evolution) plausibel beschreiben und die oft umwälzenden Einflüsse die diese Entwicklung begleitet haben erklären können.

Einfluss auf die Entwicklung der Erde und des Lebens auf ihr hatten z. B. die in verschiedene Perioden festgestellten Meteoriteneinschläge (Impakte) besonderer Größenordnung, die verheerende Wirkungen auch in der Erdatmosphäre verursachten und gigantische Flutwellen (Tsunami) in den Meeren und Ozeanen auslösten. Derartig erforschte Ereignisse tragen zur Klärung offener Probleme der Erdgeschichte bei. Auch die Wirkung tätiger Vulkane und große klimatische Veränderungen haben die Entwicklung der Erde beeinflußt und mitgeformt. Extreme Trockenzeiten wechselten sich mit Zeiten von weit vorrückender Vereisung (Eiszeiten) ab und zwangen Flora und Fauna zur Anpassung. Nicht zuletzt hat die »Kontinentalverschiebung«, nach der Kontinentaldrift-Hypothese Alfred Wegeners, heute als gut belegte Plattentektonik-Theorie anerkannt, über die riesigen Zeiträume hunderter Millionen Jahre, in denen ein mehrfacher signifikanter Wechsel der Verteilung von Land- und Wassermassen auf der Erdoberfläche erfolgte, ihre Wirkungen auf die belebte Erde gezeitigt.

Die historische Geologie, die den Aufbau des Erdkörpers und besonders der Erdkruste erforscht, analysiert die Gesteine und sucht diese den zeitlich korrekten erdgeschichtlichen Zeitabschnitten zuzuordnen. Als wertvolles Hilfsmittel dazu dienen ihr die verschiedenen Arten der wissenschaftlichen Altersbestimmungen (z. B. der 14C-Methode) vor allem für die in den Ablagerungen vorgefundenen »versteinerten« Organismenreste von Tieren und Pflanzen (Fossilien) aber auch von anorganischen Stoffen. In bestimmten Schichten finden sich oft immer wieder die gleichen Fossilien, so dass man solche Schichten an den darin vorkommenden Fossilien wiedererkennen kann. Solche Fossilien nennt man »Leitfossilien«. Leitfossilien kommen auch in verschiedenen, weit voneinander entfernten Gesteinsarten vor und helfen die untersuchten Formationen zu erkennen und ihr Alter zu bestimmen.

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