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Geschichte

Artikel #1211, »Geschichte«, geschrieben von: Ulrich Fuchs(Red.) (99 %) et al.

Sichtweisen

Das hauptsächlich interessierende Moment der Geschichte war für lange Zeit die sog. Ereignisgeschichte, die Darstellung der chronolog. Abfolge einzelner Ereignisse und die Betonung der Entscheidungen einzelner Personen, die - so nahm man an - den Geschichtsverlauf maßgeblich bestimmten. Spätestens seit Mitte des letzten Jahrhunderts verschob sich der Fokus des Interesses jedoch auf die Strukurgeschichte, also auf die überindividuellen Bestimmungsfaktoren geschichtl. Ereignisse. Diese geschehen nicht im luftleeren Raum, sondern in einem bestimmten gesellschaftl. Umfeld, das den Entscheidungsspielräumen der Akteure Grenzen setzt. Auf den - voremanzipatorischen - Punkt gebracht, geht es im die bekannte Frage, ob »große Männer Geschichte machen oder die Geschichte große Männer macht«. Ereignis- und Strukturgeschichte sind dabei eng verwoben: Strukturen bedingen eine Häufung bestimmter Ereignisse, und eine Häufung bestimmter Ereignisse verändert Strukturen.

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Aus dem menschl. und kulturnotwendigen Interesse, der Geschichte des eigenen kulturellen Umfeldes mehr Aufmerksamkeit zu schenken als fremdereren Umgebungen, oder die Entwicklung fremder Geschichte mit der eigenen vergleichen zu wollen, ergibt sich eine räuml. Gliederung oder besser Fokussierung der Geschichte Je nach dem Durchmesser des Kreises, den man um sich (oder um andere Personen/Gesellschaften) herum zieht, um diese jeweils "eigene" Geschichte abzugrenzen, richtet sich das Interesse somit auf auf die Familiengeschichte, die Heimatgeschichte, die Geschichte einer Nation, eines Volkes, eines Raumes - bswp. die Geschichte des Mittelmeerraumes oder diejenige Ostasiens, schließlich auf die Weltgeschichte, in der die globalen geschichtl. Zusammenhänge interessieren.

Das Gesamtbild, das man heute von der Geschichte hat, setzt sich also aus vielen Einzelbildern zusammen, die jeweils ihre eigenen eng oder weit gezogenen Grenzen in Raum und Zeit haben, sich überlappen und ergänzen. Dort, wo diese Bilder unscharf werden oder sich gar widersprechen, oder wo sie neu interpretierbar werden, findet Geschichtsforschung statt.

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