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Informatik

Artikel #2317, »Informatik«, geschrieben von: Ulrich Fuchs (94 %) , Wolfgang Keller(Red.) (4 %) et al.

Informatik, Wissenschaft von der Information, die deren Darstellung, Erkennung, Verarbeitung, Speicherung und Übertragung mit mathemat. Methoden analysiert und die so gewonnenen Erkenntnisse auf die Informationstechnik, speziell auf Software, anwendet.

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Angesiedelt im Grenzbereich zwischen ihrem derzeit nur philosoph. fassbaren Gegenstand "Information", der Mathematik und der Anwendungsorientierung entzieht sie sich der übl. Aufteilung der Wissenschaften in Natur-, Geistes-, Meta- und Ingenieurwissenschaften. C. F. von Weizsäcker sieht sie als Strukturwissenschaft, die praktische Arbeit von Informatikern außerhalb der Forschung und Lehre ist jedoch meist dem ingenieurwissenschaftlichen Bereich zuzuordnen. T. Winograd, F. Flores, A. Rolf, C. Floyd u. a. betonen die Verantwortung in diesem, in das Lebensumfeld von Menschen eingreifenden Betätigungsfeld der Informatik und erkennen in ihr deshalb zuerst eine Gestaltungswissenschaft. Pragmatisch sieht man die Aufgabe der Informatik am besten darin, das Wissen um das nutzbringende Arbeiten mit dem Computer, von theoret. Grundlagen bis zum prakt. Einsatz, zu entwickeln.

Der Grenzgang der Informatik zwischen Theorie und Praxis führt zu den großen Teilbereichen der Informatik, der theoretischen Informatik, die eine stark mathemat. orientierte Grundlagenforschung betreibt, der praktischen Informatik, die aus diesen Grundlagen - in noch anwendungsneutraler Weise allgemeine Softwarekonzepte (Algorithmen, Datenstrukturen etc.) entwickelt und schließl. der angewandten Informatik, die sehr nah am Anwendungsgebiet konkrete Aufgabenstellungen durch technikgestützte Informationssysteme, insb. Software löst. Desweiteren tritt als vierter Teilbereich noch die Technische Informatik auf.

Die Begriffsprägung Informatik als Zusammenziehung von Information und Automatik erscheint im erstmals im deutschen Sprachraum 1957 im Titel von Karl Steinbuchs "INFORMATIK: Automatische Informationsverarbeitung" (Technische Mitteilungen der Standard Elektrik Gruppe, Nr. 4, S. 171). Bei SEL wird INFORMATIK zunächst auch als Markenname genutzt, die Verwendung im wissenschaftl./universitären Bereich wird durch SEL wohl um 1970 explizit freigegeben.

Wieweit das französische Pendant Informatique, das erstmals 1962 bei Philippe Dreyfus auftaucht, hiervon beeinflusst war oder ob es eine unabhängige Schöpfung darstellt, ist unklar. Im franz. Sprachraum wird jedenfalls meist Dreyfus als Schöpfer des Begriffs angeführt; die Académie Française übernahm dessen Informatique 1967. Spätestens ab diesem Zeitpunkt setzt sich der Begriff in den meisten europ. Sprachen durch, nur im engl. Sprachraum bleibt es beim dort bereits etablierten Information technology bzw. Computer science.

Literatur

  • Coy, W. et al. (Hrsg.) : Sichtweisen der Informatik, Vieweg; Braunschweig, Wiesbaden 1992. ISBN 3528052635

Weblinks

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