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Literatur

Artikel #3045, »Literatur«, geschrieben von: B. Brockhorst(Red.) (100 %)

Merkmale

Um einen erweiterten Literaturbegriff fassbar zu machen, wird auf drei Merkmale rekurriert, die die Ausgangsbasis für das ursprüngliche Literaturverständnis bilden:

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Sprachliche Fixierung – Fiktionaler Inhalt – Sprachkünstlerische Gestaltung.

Hierbei erweist sich, dass ein Merkmal unverzichtbar, die zwei anderen jedoch nicht zwingend sein müssen.

Die Sprachliche Fixierung stellt sich als ein unverzichtbares Merkmal für Literatur dar, denn was in den Wind gesagt wurde, ist unwiederbringlich, entzieht sich der Dauerhaftigkeit und somit der Bewertung zu unterschiedlichen Zeiten und kann nicht Gegenstand der Literaturwissenschaft sein. Nicht zwingend ist die Verschriftlichung, deshalb auch der Begriff Sprachliche Fixierung, denn mit der Entdeckung der sog. „Oral Poetry“ (mündlich tradierte, aber inhaltlich wie formal gleichförmige Weitergabe eines Gedichts oder einer Erzählung) wurde auch diese Form der Literatur zugeordnet.

Die Merkmale „Fiktionaler Inhalt“ und „Sprachkünstlerische Gestaltung“ können, müssen aber nicht unbedingt vorliegen, wenn es um die Einordnung als Literatur geht.

Fixierung – Fiktionalität – sprachkünstlerische Gestaltung

Die Erfüllung aller drei Merkmale durch ein Werk macht es zu dem, was immer schon unter Literatur gefasst wurde, bspw. die „Klassiker der Weltliteratur“ oder das, was in Werkbesprechungen wegen dieser Merkmale besonders hervorgehoben wird.

Fixierung – Non-Fiktion – sprachkünstlerische Gestaltung

Hierunter fallen bspw. (Auto)-Biographien, Tagebücher, Briefwechsel zwischen historischen oder herausragenden Persönlichkeiten. Heutzutage gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass auch dies zur Literatur zu zählen ist.

Fixierung – Fiktionalität – keine sprachkünstlerische Gestaltung

In diesem Bereich findet sich die Trivialliteratur (Groschenromane, für den Konsum für Nebenbei produzierte Unterhaltungslektüre). Auch diese zählen mit der Erweiterung des Begriffsverständnisses zur Literatur; in der Literaturwissenschaft ist aber regelmäßig weniger ein einzelnes Werk denn vielmehr eine ganze Gattung Besprechungsgegenstand (z. B. Kriminalromane).

Fixierung – Non-Fiktion – keine sprachkünstlerische Gestaltung

Diese Kategorie vereint im wesentlichen Gebrauchsgegenstände sowie Dokumente, z. B. Telefon-, Kochbücher, Ratgeber, Sitzungsprotokolle. Auch Musiknoten gehören hierzu, denn ungeachtet des Sammelbegriffs Musikliteratur sind sie lediglich Mittel zum Zweck, geben Anweisung zum Hörbarmachen von Musik. Diese Kategorie wird üblicherweise nicht zur Literatur gezählt, was aber einer möglichen Bearbeitung in Richtung eines literarischen Werks nicht im Weg steht.

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