Logo

Malerei

Artikel #5537, »Malerei«, geschrieben von: Josef Kandl (96 %) , Markus Schweiß(Red.) (0 %) et al.

Malerei, in der bildenden Kunst im Unterschied zu den dreidimensionalen Künsten der Plastik, Skulptur und Architektur die Kunst, Bilder auf der Fläche mit verschiedenen Malmitteln und Maltechniken zu erzeugen und zu gestalten. Abgegrenzt wird die Malerei von der Zeichnung und den zeichnerischen Techniken der Graphik. Nach der Art des Bildträgers wird unterschieden zwischen Wandmalerei als Fresko- und Seccomalerei, Tafelmalerei, Vasenmalerei der Griechen und Buchmalerei. Neben den frühesten Zeugnissen der Höhlenmalereien und Fresken des Altertums sind die in Enkaustik ausgeführten römischen Mumienporträts aus dem 2. Jh. und die byzantinischen Ikonenmalereien von eigenständiger Bedeutung.

Anzeigen

Im westlichen Abendland haben sich zunächst die Wand- und Buchmalerei durchgesetzt, die wie die Ikonenmalerei ausschließlich der Darstellung religiöser Inhalte dienten. Seit dem 12. Jh. kommt das Tafelbild als Altarbild (bemalte Holztafeln) auf und erreicht erst im 15. Jh. eine Vormachtstellung. Als Vater der westlichen Malerei gilt Giotto di Bondone (1237-1337). Die Erfassung körperlicher und räumlicher Realität in der Darstellung wird von ihm in der Gotik eingeleitet. Maler wie Jan van Eyck, Hieronymus Bosch und Matthias Grünewald sind ebenfalls noch dieser Epoche zuzuordnen.

In der Renaissance des 15./16. Jh.s wird diese Ausdrucksform durch das neue Mittel der Zentralperspektive ergänzt. Seit dem 16. Jh. werden zunehmend auch weltliche Themen in der Malerei dargestellt. Portrait, Genre, Stilleben und Landschaften werden zu neuen Gattungen der Malerei. Bekannte Namen, wie Sandro Botticelli, Tizian, Raffael, Michelangelo, Pieter Brueghel d. Ä. und Albrecht Dürer repräsentieren diesen Zeitabschnitt.

In den sich anschließenden Kunstepochen des Barock und Rokoko im 17./18. Jh. treten Künstlerpersönlichkeiten wie Caravaggio, Peter Paul Rubens, Velázquez und Rembrandt hervor. Der ohne Einschränkung größte Künstler des 18. Jh. war Francisco de Goya. Herausragende Namen in der Malerei des Klassizismus und der Romantik sind Jacques-Louis David, Jean-Auguste-Dominique Ingres, Eugène Delacroix, William Turner und Caspar David Friedrich. Die Maler Édouard Manet, Edgar Degas, Claude Monet und Auguste Renoir stehen für den Impressionismus.

Mit dem Postimpressionismus um die Jahrhundertwende des 19. Jh.s beginnt die moderne Malerei. Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Paul Gauguin sind hier zu nennen. Die Malerei des 20. Jh.s wurde vor allem geprägt durch Henri Matisse und Pablo Picasso. 1905 formierte sich in Dresden um Ernst Ludwig Kirchner die Künstlergruppe ›Die Brücke‹, die erste von zwei Richtungen die der deutsche Expressionismus einschlug. Dieser ersten Bewegung folgte 1911 in München die Künstlervereinigung ›Der Blaue Reiter‹ um Wassily Kandinsky der später zusammen mit Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian den Künstlern der abstrakten Malerei zuzurechnen ist, die eine reine Kunstwelt aufbaut.

Nach dem Ersten Weltkrieg fanden Künstler wie George Grosz und Otto Dix zur Neuen Sachlichkeit. In dieser Zeit entwickelten sich auch der Surrealismus und der Dadaismus. Hierher gehören Namen wie Max Ernst, René Magritte, Giorgio de Chirico, Joan Miró und Salvador Dalí. In den 50er und 60er Jahren des vorigen Jh.s erscheinen Minimal Art und Pop Art ((Malerei)) die durch Namen wie Ad Reinhardt, Frank Stella, Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Jasper Johns repräsentiert sind.

Seit Ende der 60er Jahre des 20. Jh.s entwickelt sich in der Malerei ein Pluralismus der Stile und Techniken. Die Verwendung neuer Malfarben (Acryl und Dispersion) sowie Experimente mit Mischformen und Übergängen (Objekte, Environments, Installationen) zu anderen Kunstformen setzten neue Akzente. Während die amerikanische Malerei jahrzehntelang die Abstraktion als einzig adäquate Bildform propagierte, hatte sich die Malerei in Europa nie vollständig von der Figur gelöst. Die Malerei in der zweiten Hälfte des 20. Jh.s wandte sich wieder dem Gegenständlichen zu und ein Neuer Realismus setzte sich durch. Die gesellschaftliche und kulturelle Umwelt und die industriezivilisatorischen Veränderung wurden thematisiert und die neue Malerei präsentierte sich farbig und expressiv in unterschiedlichen Facetten. Dafür stehen Namen wie Georg Baselitz, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Anselm Kiefer, Jörg Immendorf und Markus Lüpertz.

Zum Ende des Jahrhunderts verlor die Malerei insgesamt an Gewicht im Kunstbetrieb. Künstler haben sich wieder minimalistische Prinzipien zu Eigen gemacht. In Bildinstallationen wurde Farbe großflächig aufgetragen, auch gesprüht und einige Maler lösten sich von der Form des Bildes, sprengten gewissermaßen den Rahmen, und überzogen Wände, Platten und Gegenstände mit pastosen, plastischen und formlosen Farbschichten. Es gibt nichts, was nicht Kunst sein kann. Malerei erreicht die letzten Stufen der Abstraktion, die von der Gegenstandslosigkeit über die Formlosigkeit zur Bedeutungslosigkeit aufgestiegen ist. Heute scheint die Vielfalt der Erscheinungen verwirrender als je zuvor in der Geschichte der Malerei. Auch die großen Ereignisse des Kunstbetriebs wie die ›documenta 11‹ in Kassel oder die Ausstellung ›Das MoMA in Berlin‹ lassen keine abschließenden Wertungen der letzten Jahre vor der Jahrtausendwende zu. Was Bestand haben wird, lässt sich aus Mangel an Distanz nicht vorhersagen.

Anzeigen