Logo

Theologie

Artikel #8107, »Theologie«, geschrieben von: J. Poseck (99 %) , Gabriele von Horn(Red.) (0 %) et al.

Theologie (griech. θεολογία [theologia], von θεός [Theos], Gott; λόγος [logos], Wort, Lehre), die Lehre von Gott. In der Metaphysik wird der Begriff auch so verstanden. Konfessionsübergreifende Hauptprobleme sind die Frage nach der Erkennbarkeit Gottes (Gottesbeweis) und die Rechtfertigung Gottes im Hinblick auf das Böse in der Welt (Theodizee).

Anzeigen

Seit dem Mittelalter entwickelte sich die Theologie zur Königsdisziplin der Universitäten und hatte die Aufgabe, über den offenbarten Gott (der Christen) vernünftig zu reden (Fundamentaltheologie). Versteht man Theologie als Glaubenswissenschaft im Gegensatz zur Religionswissenschaft, werden im allgemeinen Sprachgebrauch auch die Lehrer anderer Religionen Theologen genannt, selbst wenn ihre Eigenbezeichnung eine andere ist.

In der Neuzeit hat sich die Theologie überwiegend in konfessonell gebundene Lehreinrichtungen der Amtskirchen zurückgezogen. Mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der künftigen Kleriker haben sich folgende Disziplinen herausgebildet:

  • Historische Theologie (u. a. Exegese, Kirchengeschichte, Theologiegeschichte, Religionsgeschichte),
  • Dogmatische Theologie (u. a. Dogmatik, Ethik, Fundamentaltheologie),
  • Praktische Theologie (u. a. Pastoraltheologie, Kirchenrecht, Liturgiewissenschaft, Katechetik).

Glauben und Philosophie

Entgegen der landläufigen Meinung von Schulmeistern erlangt der Mensch Gewissheit im Glauben, nicht in der Wissenschaft. Der Glaube beruht auf der verlässlichsten Quelle, nämlich göttlicher Offenbarung. Die darauf beruhenden Schriften sind durch Kanonisierung vor Veränderung geschützt. Wahrheiten, die dem stets zum Irrtum neigenden menschlichen Geist als Widersprüchlich oder nicht begreifbar erscheinen, sind Geheimniss des Glaubens und sollten nicht unangemessen hinterfragt werden. Wissenschaft dagegen bedeutet Streit, ihre großen Lehrer begründen bestenfalls eine herrschende Auffassung aber keine Gewissheit. Deshalb sind die pastoral angelegten Wahrer des Glaubens keine natürlichen Freunde der Theologie. Geraten diese ins Streiten, wird die Kirche nur dann Stellung beziehen, wenn eine Meinung sich in Widerspruch zur Glaubenswahrheit setzt. Es wird nicht für die geduldete Auffassung Partei ergriffen, vielmehr wird ein Machtwort gesprochen und die Häresie verurteilt (Roma locuta, causa finita). Eher mittelbar ist aber doch zu erkennen, welche Theologen als zuverlässig gelten. Die Ehrentitel Kirchenvater bzw. Kirchenlehrer sind zugleich eine Empfehlung zur Lektüre dieser Autoren.

Apologeten

Während der Zeit der Christenverfolgungen war die Erfahrung der Offenbarung zeitlich und seelisch recht unmittelbar. Es bestand deshalb vorerst kein Bedürfnis, den Glauben mit philosophischen Mitteln zu untermauern. Viel dringlicher war die Notwendigkeit, den Argumenten der Verfolger entgegenzutreten. Das war mehr Plädoyer als Philosophie.

Eine frühe Rechtfertigung des Glaubens (Apologetik) auf dem Boden antiker Denkweise unternahm Justin der Märtyrer (um 100 bis 165). Er stellte darauf ab, Erkenntnis sei nicht nur durch die Philosophen sondern auch die Propheten zu erlangen. Was jemand Glaube, werde nicht an der formalen Beachtung religiöser Vorschriften sondern am tugendhaften Leben erkannt.

Tertullian (um 160 bis um 220), in Rom praktizierender Anwalt, wandte sich in scharfem Stil gegen die römischen Christenverfolger, aber mit rigorosen Ansichten auch an die eigene Gemeinde. Sein bleibendes Verdienst ist die Einführung einer klaren Terminologie theologischer Probleme für die lateinische Kirche, insbesondere der Trinitätslehre.

Markion aus Paphlagonien (85 bis 160), gegen den sich Tertullian wandte und Tatian der Assyrer (um 120 bis um 185) verkörpern beide zwei Gefährdungen der frühchristlichen Kirche.

  • Bei der Darlegung der eigenen Glaubensauffassung muss notfalls die Schrift redigiert werden. Dies tat Markion, indem er das jüdische AT des Gesetzes verwarf. Tatian fasste die vier Evangelien zu einer Geschichte Jesu zusammen (Diatessaron). Ausgelöst wurde damit eine Diskussion um die kanonischen Schriften, die für die katholische Kirche formal erst im Konzil von Trient (1546) abgeschlossen wurde.
  • Die sich abzeichnenden Lehren führten zu unterschiedlicher Observanz mit teilweise beträchtlicher Verbreitung und selbständigen Kirchen, lange vor dem Morgenländischen Schisma.

Mit der Zeit bildeten sich zwei bedeutende theologische Schulen heraus, die mit unterschiedlichen Methoden die Glaubenslehre zu systematisieren suchten.

Die Theologen in Alexandria lehrten auf der Grundlage hellenistischer Denkweise. Bedeutende Vertreter waren Klemens von Alexandria (zwischen 140/150 bis um 215) und Origines (um 185 bis 254).

Im syrischen Antiochia entwickelte sich die schriftnahe Ausbildung der Lehre (Exegese). Bedeutende Vertreter waren Theodor von Mopsuestia (um 350 bis 428), Johannes Chrysostomos (zwischen 344 und 354 bis 407) und Theodoretos von Kyrrhos (393 bis um 460).

Kirchenväter

Zentrales Thema der christlichen Lehre ist die Frage nach der Natur Christi (Christologie) und der Stellung von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist untereinander. Je nach kulturellem Hintergrund der Gemeinden entwickelten die Schriftsteller unterschiedliche Erklärungen. Das Wirken Gottes durch den Heiligen Geist war nach antiken Vorstellungen noch vorstellbar. Das Wesen Christi und davon abhängig seine Stellung im Trias war jedoch schwierig, weil Gott ewig ist, also nicht Sohn sein kann, es sei denn, er sei privilegierter Mensch. Ein zwingender Text aus den Schriften ist nicht vorhanden. Grundsätzlich gilt, dass die Evangelien eine Heilsbotschaft sind und keine theologische Abhandlung. Die seit Tertullian vertretene und heute herrschende Dreieinigkeitslehre ist wegen ihrer geringen Anschaulichkeit unbequem. Der alexandrinische Presbyter Arius (um 260 bis 336) vereinfachte und erklärte Christus als vornehmstes Geschöpf Gottes. Er fand viele Anhänger und geriet in Streit mit seinem Bischof Alexander von Alexandria. Trotz Verbannung trat keine Ruhe ein. Auch nach dem von Kaiser Konstantin einberufenen Konzil von Nikaia (325) in dem der Arianismus als Häresie verurteilt wurde, gaben die Arianer nicht auf. Deutlich zeichneten sich zwei Lager ab, die lateinischen Trinitarier und die griechischen Arianer.Mit dem ersten Konzil von Konstantinopel (381), von Kaiser Theodosius einberufen, wurde eine sich abzeichnende Kirchenspaltung noch einmal vermieden.

Eine der herausragendsten und letzten Gestalten der Patristik war der Kirchenvater Augustinus von Hippo (354-430). In der antiken Philosophie gebildet, hinterließ der Neuplatoniker ein umfangreiches Werk, das bis heute zu den Grundlagen katholischer Fundamentaltheologie gehört. Seine Gedanken zur Gnadenlehre und Praedestination haben den Ordensbruder Martin Luther nicht unwesentlich beeinflusst.

Scholastik

Zu den Widersprüchlichkeiten des Mittelalters zählen die fast kalte Verwissenschaftlichung der Metaphysik in den Klosterschulen im Gegensatz zu Aberglauben und Dämonenfurcht, die das harte Leben noch zusätzlich bis in Luthers Zeiten beschwerten. Anfangs kann dies mit der elitären Situation der Klöster erklärt werden. Mit Verlagerung der Scholastik in die entstehenden Universitäten war der Schwerpunkt Theologie im Fächerkanon jedoch nicht aufgehoben. Die streng aristotelische Denkweise führte zum Universalienstreit der Begrifflichkeiten, nicht aber zum sich anbietenden Durchbruch der Naturwissenschaften.

Der Kirchenlehrer Anselm von Canterbury (um 1033 bis 1109) gilt als Begründer der Scholastik. Er selbst sieht sich in der Nachfolge des Augustin von Hippo, seine Gedankenführung erinnert an Platon.

Berühmt geworden ist er noch heute mit seinem sog. ontologischen Gottesbeweis. Danach ist Gott das, worüber nichts Größeres gedacht werden kann. Behauptet man nun, dies Wesen sei nur gedacht, so läßt sich ein höheres Wesen denken, das in der Wirklichkeit existiert. Die Idee des höchsten Wesens muss deshalb nicht nur in der Vernunft, sondern auch in der Wirklichkeit existieren. Schon diese Gedankenführung verkörpert die scholastische Epoche. Neu ist, dass der Benediktiner Gaunilo in seiner Schrift Liber pro insipiente (Buch über den Unverstand) erwiderte, wenn er eine vollkommene Insel denke, folge daraus nicht, sie sei existent. Der große Anselm erwiderte in seiner Rechtfertigungschrift (Liber apologeticus adversus respondentem pro insipiente), Gott sei aber keine begrenzte Insel, sondern die Idee Gottes sei wegen ihrer Vollkommenheit ein einmaliger Fall. Diese Form des Dialoges über Begriffe verdeutlicht den Geist der Scholastik noch deutlicher.

Zur Zeit der Hochscholastik war die Theologie in heutigem Verständnis in allen Fächern ausgebildet. Das heißt, es hat eine wissenschaftliche Durchdringung aller Gegenstände des Glaubens stattgefunden. Der Kirchenlehrer Thomas von Aquin (um 1225 bis 1274) hinterließ eine vollständige Theologie in aristotelischer Denkweise, die sich als verbindlich durchgesetzt hatte.

Neuzeit

Mit der Renaissance und dem Humanismus hörte die Philosophie auf, Magd der Theologie zu sein. Für diese bedeutet das, sie wird fachspezifischer und angefangen mit Martin Luther mehr auf die Glaubenspraxis ausgerichtet.

Der Augustiner hatte sich mit Problemen von Gnade und Buße befasst und wollte zunächst nur die unerfreuliche Ablasspraxis beenden. Als sich infolge der intransigenten Haltung der kath. Kirche die protestantische Bewegung zum Flächenbrand ausweitete, führte die Kirchenspaltung auch zur Glaubensspaltung und Entwicklung einer protestantischen Theologie. Für den Reichstag in Worms (1521) hatte Luther sich mit den grundlegenden protestantischen Schriften An den christlichen Adel deutscher Nation, Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche und Von der Freiheit eines Christenmenschen vorbereitet. Vor allem hat er aber die exegetisch nicht mehr ganz unangefochtene, aber literarisch einmalige Bibelübersetzung geschaffen. Die katholische Seite reagierte zunächst machtpolitisch, bis mit der sog. barocken Zweitscholastik in Spanien der Jesuit Francisco Suárez (1548-1617) den Weg in die Neuzeit fand.

Der aufkommende Rationalismus und Materialismus im Gefolge der Aufklärung ließ die Apologetik wieder aufleben, als einer deren bedeutenden Vertreter der Zeit des Deutschen Idealismus Friedrich Schleiermacher (1768 bis 1834) genannt sein soll.

Zu den führenden Fundamentaltheologen der Gegenwart gehören der Vater der Bekennenden Kirche Karl Barth (1886 bis 1968) und der Jesuit Karl Rahner (1904 bis 1984), der wesentlichen Einfluss auf das Zweite Vatikanische Konzil hatte.

In der Moderne setzt sich die Zersplitterung der Wissenschaften in Teildisziplinen fort. Das gilt auch für die Theologie. Z.B. politische Theologie mit Befreiungstheologie und feministischer Theologie. In konservativem Verständnis ist die Betrachtung des Glaubens unter einem einzelnen Aspekt oder einer bestimmten politischen Anschauung nur dann vertretbar, solange das Ganze im Auge behalten wird.

Die Ökumenische Bewegung, ursprünglich von Laien ausgehend, seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch den Katholiken offen, stellt eine Herausforderung der Gegenwart dar, weg von der Apologetik der eigenen Konfession eine Theologie der Vereinigung zu entwickeln.

Weiterführende Artikel

Geschichte der westlichen Philosophie

Weblinks

Bibliothek der Kirchenväter

Anzeigen