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Wiki

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(Dieser Text ist eine Einbindung unseres Enzyklopädieartikels Wiki zu diesem Thema. Wenn Sie Verweise in diesem Text anklicken, verzweigen Sie in den eigentlichen Enzyklopädiebereich und verlassen den Bereich mit den allgemeinen Informationsseiten)

Wiki (hawaianisch wiki, schnell), ursprünglich Wiki Wiki Web, Sammlung textorientierter, miteinander verknüpfter Dateien (→Hypertext), die über ein Computernetzwerk angezeigt und von den Lesern mit geringem Aufwand verändert werden können. Zur Bereitstellung der Funktionalität wird eine Wiki-Engine genannte Software verwendet, die die vorhandenen Texte zentral (bspw. in einer Datenbank) speichert, und für einen zu verändernden Text eine entsprechende Eingabemöglichkeit bereitstellt.

W. sind fast ausschließl. als Sammlung von Web-Seiten konzipiert, die über das Internet oder ein Intranet mit Hilfe eines Web-Bowsers angezeigt werden. Soll eine Seite verändert werden, so generiert die Software für den Anwender ein Eingabeformular, das ebenfalls im Web-Browser angezeigt wird. In diesem Formular kann die Seite über eine einfache Markup-Sprache vom Anwender verändert und anschl. in das Wiki zurückgeladen werden.

Geschichte

Die erste Implementierung eines W.-Systems erfolgte 1995 durch Ward Cunningham. Cunningham hatte bereits einige Jahre vorher eine dynamische Anwendung für Hypercards entwickelt, ein für Apple-Computer verfügbares frühes Hypertext-System. Diese Anwendung nutzte Cunningham zur Unterstützung bei der Definition von Klassen im Rahmen der objektorientieren Softwareentwicklung (OOS). Ab etwa 1992 diskutierten die Theoretiker des OOS das Denken in Design Patterns, Cunningham war in diesem Umfeld stark aktiv. Das aufkommende World Wide Web (WWW) bot ihm eine Möglichkeit, einen Katalog von Patterns anzulegen und diese als Hypertext zu verknüpfen, das sog. Portlands Pattern Repository. Kollegen sollten ihre Patterns als einfache Textdateien einreichen, die von Cunningham in HTML umgewandelt wurden. 1994 entwickelte Cunningham ein Programmskript, das aus diesen Textdateien, die in einer einfachen Markup-Syntax ausgezeichnet werden sollten, HTML automatisch generierte. 1995 flossen die Erfahrungen aus der Hypercard-Anwendung in Form einer durch das WWW bedienbarer Eingabemaske für die Texte ein, damit war das erste W.-System verfügbar. Verknüpfungen zwischen einzelnen Texten des W. wurden automat. generiert, sobald die Software auf Worte in sog. Camel Case-Schreibweise traf - ein Relikt aus der Hypercard-Anwendung, bei der einzelne Karten einzelnen Klassen entsprachen, für die in der OOS i. d. R. die Camel-Case-Schreibweise verwendet wird.

W. fanden neben dem Portland Pattern Repository zunächst nur wenig Anwendung. Einige weitere W.-Managementsysteme wurden ab 1996 entwickelt, die sich nur unwesentl. von Cunninghams Implementierung unterschieden. Gelegentl. erfolgte ein erster Einsatz auch in Unternehmen. Im Jahr 2000 entstand mit dem MeatBall-Wiki ein W. im Internet, das sich auf einer Meta-Ebene mit dem Verhalten von virtuellen Gemeinschaften auch in W. auseinandersetzte.

Als Killeranwendung für die Technologie erwies sich jedoch die im Januar 2001 gestartete freie Online-Enzyklopädie Wikipedia. Deren Gemeinschaft verzichtete bald nach Projektstart auf die bis dahin meist übl. Camel-Case-Schreibweise für Hyperlinks, da man auf ein ansprechendes Erscheinungsbild der generierten Seiten Wert legte (das erste Wiki-System, das stattdessen die sog. Free Links erlaubte, war das Common Lisp Wiki, die von der Wikipedia damals verwendete Software Usemod Wiki unterstützte dies optional).Als mit entscheidend für den Erfolg gilt die einige Zeit nach Projektstart neu entwickelte Software "Mediawiki". Weiterhin dürfte das gewählte Sujet, die Erstellung einer Enzyklopädie, mit ausschlaggebend gewesen sein: Wie in einem W. ist der Textkorpus stichwortbezogen organisiert, die einzelnen Einträge stellen (vom Kohärenzsaspekt abgesehen) in sich geschlossene Einzeltexte dar, die zielorientiert kollaborativ bearbeitbar sind.

Der Erfolg der Wikipedia führte ab etwa 2002/2003 zu einem zunehmenden Interesse auch der Wirtschaft an der Wissensorganisation mit Hilfe von W., die nun häufiger zur Unterstützung der Kommunikation innerhalb von Arbeitsgruppen oder als Content-Managementsystem für das Intranet genutzt werden. Ob, und wenn ja innerhalb welcher Anwendungsbereiche Hoffnungen auf eine Verbesserung der Wissensorganisation durch W. tatsächl. berechtigt sind, ist derzeit noch nicht absehbar.

Anwendungsbereiche

Derzeit sind drei Anwendungsbereiche von W. erkennbar: Die usrprüngl. Funktion ist die eines Kommunikationsmediums für Personengruppen. Statt einer Punkt-zu-Punkt-Kommunikation über E-Mail, Mailinglisten etc. wird die Kommunkation auf eine gemeinsam genutzte Seite verlagert (sog. Shared-Display-Pattern). Hier sieht insb. Cunningham die W. angesiedelt, das Marketing kommerzieller Anbieter stellt ebenfalls auf diesen Anwendungszweck ab. Es scheint, als ob die Mehrzahl der in Unternehmen vorzufindenen W. auch so eingesetzt würde. Der zweite, auch kommerziell genutzte Anwendungsbereich ist der als einfach zu bedienendes System zum Aufbau von relativ statisch bleibenden internen Webseiten-Sammlungen (Intranets). Im Grunde nur innerhalb einiger offenen Wikis im Internet sowie weniger Anwendungen in der Wirtschaft realisiert ist dagegen der dritte Anwendungsbereich, nämlich die gemeinschaftl. Erstellung von Texten, bei der die Gruppenkommunikation notwendiges, aber nicht primäres Ziel des Wiki-Einsatzes ist. Ähnliche Anwendungen in Organisation (bspw. zum Aufbau interner Prozessdokumentationen, Qualitätshandbücher etc.) scheitern offenbar vorwiegend an Management-Anforderungen an das verwendete System, insb. Microsoft-basierte Dateien zu integrieren, was dem Grundgedanken eines W. jedoch zu wider läuft.

Projekte wie die Wikipedia zeigen jedoch, dass gerade im dritten Anwendungsbereich, also in der gemeinsamen Erstellung kohärenter, fortgeschriebener Sachstandsbeschreibungen, die eigentl. Möglichkeiten der W. zu sehen sind. Die Anwendung vorwiegend als Kommunikationsmedium führt, das zeichnet sich sowohl in den sog. "Diskussionsseiten" in der Wikipedia wie auch in den großen, diskussionsorientierten W. im Internet (c2.com, Meatball) ab, innerhalb von einigen Jahren zu unübersichtl. "Textwüsten", denen Außenstehende keine Informationen entnehmen können und die damit als Wissensspeicher verloren sind. Der Nachteil der im Nachhinein nicht mehr nutzbaren Texte wird durch den Vorteil, die Diskussion an einem gemeinsamen Ort zu führen, kaum aufgewogen, zumal hierzu geeignetere Software (Bulletin-Board-Software etc.) zur Verfügung steht. Den unüberschaubar werdenden Diskussionssträngen in W. kann zwar durch stetes refaktorieren abgeholfen werden, doch gelangt dadurch das W. auch wieder eher in den dritten Anwendungsbereich (gemeinsame Texterstellung).

Zur Nutzung von W. als Werkzeug zur kollaborativen Texterstellung scheint jedoch eine Nutzerschaft vonnöten, die routinemäßigen Umgang mit Texten und Texterstellung gewohnt ist. Solcherart genutzte W. finden sich daher neben den o.g. Internetprojekten derzeit vorwiegend zum Wissenensmanagement in Beratungsunternehmen, bei Softwareanbietern und in abgegrenzten Zirkeln anderer Industrien (bspw. innerhalb von Entwicklungsabteilungen o.ä.). Als zentrale Kollaborationsplattform für alle Mitarbeiter einer durchschnittlichen Organisation innerhalb von Wirtschaft oder Verwaltung scheinen sie jedoch weniger geeignet, erstens fehlt hier die spezifische Fokussierung, zweitens der routinemäßige Umgang mit Texten bei den Benutzern.

Funktionen

Wiki-Engines stellen zum mindesten eine Funktion zum Anlegen, Ändern und Löschen bestehender Seiten zur Verfügung. Daneben finden sich üblicherweise Funktionen zum Anzeigen der letzten Änderungen, die an Artikeln oder auf das Gesamtsystem bezogen durchgeführt wurden, eine Anzeige neuer Artikel, sowie eine Anzeige von "Rückverweisen", also die Anzeige der Seiten, die auf eine andere Seite verweisen. Suchfunktionen und je nach System deutlich unterschiedl. gehandhabte Strukturierungs- und Kategorisierungsfunktionen für die Inhalte erleichtern dem Anwender die Orientierung. Viele Systeme bieten inzwischen die Möglichkeit, Dateien an Wiki-Seiten anzuhängen, inbs. auch Bilddateien anzuzeigen. Desweiteren findet sich vielfach ein Plug-In-System, mit dem die Grundfunktionalität der Software, insb. des Parsers, der den Seitenquelltext in eine HTML-formatierte Seitendarstellung umwandelt, erweitert werden kann.

Typologie

Wesentl. für das ursprüngl. W.-Prinzip ist, dass das W. über das Internet erreichbar und von jedermann veränderbar ist. Mittlerweile, da W. auch organisationsintern genutzt werden, kann die öffentl. Zugänglichkeit kein Definitionskriterium mehr sein. Terminolog. sollte daher zunächst einmal unterschieden werden zwischen offenen W., an denen jedermann teilnehmen kann, sowie geschlossenen W., die nur bestimmten Teilnehmerkreisen zur Verfügung stehen (beispielsweise innerhalb eines Unternehmens).

Weiterhin bietet sich eine zweite Unterscheidung an, die trennt zwischen anonymen W., an denen die Teilnehmer namentlich bekannt sein können, aber nicht bekannt sein müssen, sowie registrierenden W., an denen alle Teilnehmer namentlich bekannt sein müssen.

Im Prinzip sind beide Kategorien beliebig kombinierbar. Im Falle eines geschlossen-anonymen W. wird jedoch, da durch die Geschlossenheit des W. bereits der Zugang eine Entanonymiserung darstellen muss, keine vollständige Anonymität erreichbar sein, selbst wenn innerhalb des Systems die Benutzer anonym erscheinen mögen.

Schließlich ist noch die Größe, insbesondere die Anzahl der Seiten und der Teilnehmer, zu nennen. Die Erfahrungen mit sehr großen W. sind äußerst gering und beziehen sich im Prinzip nur auf die Wikipedia. Wieweit die Erkenntnisse, die sich aus dem Betrieb kleinerer Wikis ergeben, auf die Wikipedia übertragbar sind, und wieweit dies im Umkehrfall gilt, ist zweifelhaft.

Literatur

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