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Zivilisation

Artikel #589, »Zivilisation«, geschrieben von: K. Bleuer(Red.) (100 %)

Zivilisation (v. lat. civis, städtische Bevölkerung), eine od. mehrere Gesellschaften mit ähnlichen Wertesystem, einer gemeinsamen Herkunft sowie geographische Nachbarschaft. Der schwer fassbare Begriff Z. steht also für eine breite kulturelle Einheit.

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Soziologische Definition

In der Soziologie herrscht keine Einigkeit bezüglich der Definition von Z. Während einige die Begriffe Z. und Kultur praktisch synonym benutzt, unterscheidet Merton sie und stellt zudem eine Dichotomie zw. Kultur und Z. fest. Für ihn besteht die Z. aus materiellen Mitteln mit einem bestimmten Nutzen für das kollektive Leben (⇒ rationelle Dimension), während die Kultur aus immateriellen, teilw. sogar spirituellen Mitteln (⇒ Denkapparat, intellektuelle Ressourcen, Idealismus) besteht.

Für andere Soziologen, u. A. Mauss und Durkheim ist Z. eine gesellschaftl. Entwicklungsstufe: Z. wird hier zu einer technisierten und wissenschaftlichen Gesellschaft (siehe "positive Gesellschaft" von Comte), während der Begriff Kultur sich auf vorindustrielle od. "unterentwickelte" Gesellschaften bezieht. Viele Autoren benutzen den Begriff in diesem Sinne, so auch Elias, der zudem den Aspekt der Staatenbildung in die Diskussion einführt.

In solchen evolutionistischen Modellen treffen wir oft auf die Begrifflichkeit Barbarei ⇒ Kultur ⇒ Zivilisation.

Eigenschaften einer Zivilisation

Eine Zivilisation in letzten Sinne ist durch einen hohen Organisationsgrad, eine hohe Arbeitsteiligkeit, eine rationale Gesetzgebung und eine relativ hohe Technizität gekennzeichnet (⇒ Hochkultur). Z. in diesem Sinne verfügen immer über ein Herrschaftssystem und einen Erzwingungsstab, um es durchzusetzen. Für diese Bedeutung steht auch das engl. civilization.

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